Dienstag, 08. Juni 2010 um 12:35

Alles für ein Leckerli

Tag des Hundes: Schweizer Sennenhund-Verein veranstaltet Aktionen rund um der Deutschen liebstes Haustier

Großwallstadt »Beim Bergsteigen können Sie ihren Hund auch nicht tragen.« Jörg Stewen vom Hundesportverein (HSV) Großwallstadt gibt seinen Gästen Tipps, wie sie ihre Vierbeiner über den Geschicklichkeitsparcours bringen. Christoph und Kerstin Dietrich schieben derweil ihren gut 50 Kilo schweren Berner Sennenhund die Rampe hoch.

»Nie mit Gewalt. Das machen die Hunde von ganz alleine«, sagt Jörg Stewen und versucht, den fünfjährigen Luis mit Leckerlis davon zu überzeugen, das steile Holzbrett nach oben und auf der anderen Seite wieder hinunter zu laufen. Doch Luis ist es mit seinem dicken Bärenfell an diesem Sonntag viel zu heiß.Er nimmt das Leckerli und lieber einen Umweg. »Vielleicht werden wir ja doch Mitglied im Verein«, lachen die Hundehalter aus Haibach.

 


Bundesweit zum ersten Mal
Wie zahlreiche andere Tierliebhaber auch, versuchen sie auf dem Hundeplatz in Großwallstadt ihre treuen Vierbeiner zu Geschicklichkeit und Gehorsam zu bewegen. Der Spaßparcours war nur ein Teil des Programms, das die Ortsgruppe Unterfranken des Schweizer Sennenhund-Vereins (SSV) organisiert hatte. Anlass: Der Tag des Hundes, den der Verband für das Deutsche Hundewesen bundesweit erstmalig ins Leben gerufen hat.
Zahlreiche Besucher mit und ohne vierbeinigen Anhang tummelten sich am Sonntag auf dem Gelände des Hundeplatzes in der Niedernberger Straße. Die Aktionen reichten von der niedlichen Welpenspielgruppe über die Präsentation der vier Sennenhunderassen (Alpenzeller, Berner, Entlebucher und Großer Schweizer Sennenhund) bis zu Wagenziehen und Demonstrationen der Rettungshundestaffel des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) Aschaffenburg.


Welpengruppe verzückt
Mittags verzückte die Welpengruppe mit einem Parcours eigens für kleine Wollknäuel bis sechs Monate. In dieser Prägungsphase geht es nicht nur um spielerische soziale Kontakte. Die jungen Hunde lernen auch erste Gehorsamsübungen, erklärt Sina Schandel, eine der vier Leiterinnen der Welpengruppe, die jeden Sonntag auf dem Hundeplatz ist. Vereinsmitglieder können einen Erziehungskurs machen und Prüfungen ablegen.
So wie die zehn Hunde, die am Vormittag bereits erfolgreich ihre Unterordnungs- und Gehorsamsprüfung nach den Regularien des SSV ablegten. Dabei prüfen die Richter nicht nur gängige Kommandos wie »Sitz« und Fuß«, auch Alltagssituationen wie das gelassene Verhalten des Hundes bei Verkehrslärm oder der Umgang mit fremden Personen werden beobachtet, erklärt Stewen. Er selbst hat mit seiner Berner Sennenhündin Athene Antjes den dritten Platz in der Gehorsamprüfung belegt.


Mit anderen vergleichen
»Mir macht es Spaß, mit meinem Hund zu trainieren«, so der Hundeliebhaber, der es auch wichtig findet, seinen Vierbeiner problemlos überall mit hin nehmen zu können. »Außerdem kann ich mich im Verein mit anderen vergleichen und sehen, ob wir noch was lernen können.« Auch Jane Schönborn, ebenfalls Mitglied im HSV und SSV, arbeitet leidenschaftlich gerne mit ihrem Xantos. »Die Hunde haben auf dem Parcours einen Heidenspaß«, ist sie überzeugt. Das Trainieren mit alltagstauglichen Situationen, wie über Baumstämme springen und Slalom laufen, fördert die Hunde geistig und stärkt ihre Muskulatur.
Trotz seines gutmütigen Wesens ist ihr Xantos nun viel selbstsicherer und mutiger geworden, bekräftigt die Hundehalterin, die den imposanten Familienhund mit stämmigen Gliedmaßen sogar dazu bewegen kann, mit einem freudigen Bellen durch einen relativ schmalen Reifen zu springen. »Hunde sind wie Männer«, verrät sie mit einem Augenzwinkern. »Mit Belohnung funktioniert alles.«
Dieser Meinung ist auch Robert Fuchs von der BRK-Bereitschaft Aschaffenburg-Obernau. Mit seinen ausgebildeten Rettungshunden demonstriert er die Sucharbeit bei vermissten Personen. »Eigentlich muss ich dem Hund nur erklären, dass da draußen jemand ist und dass es etwas zu fressen gibt«, resümiert Fuchs das ganze Geheimnis. Und wenn der Hund dann noch seine weiße Kenndecke mit dem roten Kreuz um bekommt, dann ist das wie ein Arbeiter im Blaumantel. Der Hund weiß: Jetzt habe ich zu arbeiten und zu gehorchen, so Fuchs. Wichtig: Hat der Hund die vermisste Person gefunden, muss er sich hinsetzen und bellen, bis der Hundeführer eintrifft. Und genau das macht Ben. Der intelligente Border Collie findet auf Anhieb einen versteckten Jungen auf der Wiese. Mit wedelndem Schwanz erwartet er sein Herrchen. Er bekommt den versprochenen Leckerbissen und Applaus.

Sylvia Breckl